Tipps zur Pflege der Echinocereen.

An dieser Stelle will ich beschreiben wie ich meine Pflanzen pflege. Was für mich zutrifft in der Pflege, kann an anderer Stelle völlig falsch sein und zu katastrophalen Ergebnissen führen. Darum sind meine Ausführungen nur für mich gültig, für Verluste bei Nachahmung durch Dritte entstehen übernehme ich keine Verantwortung. Mein Standort ist ein deutsches Mittelgebirge( EGGE) in dem die Winter etwas heftiger und nasser sind als im Flachland. Mein Gewächshaus liegt auf ca. 250 m über.N.N.

Voraussetzung

Echinocereen sind robust und anspruchslos, so heisst das jedoch nicht, dass man sie vernachlässigen kann. Deshalb ist eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Echinocereenhaltung ein Mindestmass an Interesse, das sich nicht nur auf die wenigen Wochen der Blüte beschränken kann. Eine konsequente Beobachtung des Gesundheitszustandes der Echinocereen über den ganzen Lauf des Jahres hinweg, das Beachten der Pflegehinweise, und der Erfolg ist gewiss. Echinocereen können sehr alt werden, und je älter sie sind, desto wertvoller und seltener werden sie. Manche Arten blühen überhaupt erst im gesetzten Alter. So kann diese Begeisterung schliesslich ein ganzes Leben lang andauern. Aber natürlich müssen auch die physischen Bedingungen stimmen. Dazu mehr in den nachfolgenden Kapiteln. Gute Hinweise bekommt man auch, wenn man sich ein Mindestmass mit dem natürlichen Standort der Pflanzen befasst. Nicht jeder hat die Gelegenheit sich selber dorthin zu begeben, aber es gibt gut Literatur darüber und der Anfang des Erfolges liegt im Studium dieser Werke. Als herausragendes Werk möchte ich an dieser Stelle nur auf das Buch: Echinocereus Blum, Lange, Rischer & Rutow, 1998 hinweisen, sowie auf die Arbeitsgruppe Echinocereus mit ihrem Heftchen: Der Echinocereenfreund, welches 4 x im Jahr herausgegeben wird.

Standort

Ich halte es für unabdingbar den meisten Echinocereen ganzjährig ein Gewächshaus zu bieten. An einem Zimmerfenster können nur wenige Arten erfolgreich gehalten werden. Mein Gewächshaus ist von der Fa. Barscher in Geseke 3 x 6m mit Tischen und Hängeregalen rundherum .Im Winter wird mit 2 Radiatoren 2000W die gew´┐Żnschte Temperatur gehalten. Zusätzlich wird das Gewächshaus mit Luftpolsterfolie isoliert. Die perfekten Halterungen gibt es bei Georg Schwarz( Adresse s.u.). Echinocereen brauchen viel Licht. Es gibt einige Arten, die pralle Sonne nicht vertragen, das kann bis zu Verbrennungen führen, manche reagieren auf zu viel Sonne mit Braunfärbung, die aber nach kurzer "Sonnenabstinenz" wieder vergeht. Es gibt aber in jedem Gewächshaus ein paar Ecken wo etwas mehr Schatten ist, den Platz kann ,man diesen Pflanzen zuordnen. Grundsätzlich gilt jedoch: soviel Licht wie möglich. Die Temperaturen in unseren Breitengraden dürften im Sommer selten das Optimum dieser Pflanzen überschreiten. Also: so warm und so hell wie möglich! Auch im Winter, der Ruhezeit der Kakteen, ist viel Licht optimal.Einige Arten bringe ich im Sommer ins Freie an einen geschützten Ort unter einen Dachvorsprung, in südlicher Ausrichtung. Da experimentiere ich etwas, Versuche mache ich mit den Arten und Var. von: coccineus, dasyacanthus, engelmannii , fendleri, nicholii, polyacanthus, reichenbachii, rigidissimus, scheeri, triglochidiatus, viridiflorus. Die Nachtabkühlung ist im Freien intensiver, die Pflanzen sind dadurch robuster und blühen leichter.
Frosthärte
Einige Arten Echinocereus sind ziemlich kälteunempfindich. wie z.B. E. coccineus, E. triglochidiatus, E. reichenbachii und E. viridiflorus .Klone dieser Arten sind am Standort im Winter eingeschneit .Auskunft bekommt man hier in spezielle Gärtnereien und bei versierten Liebhabern
Echinocereus reichenbachii ssp. reichenbachii var. baileyi, viridiflorus sowie eine ssp. von triglochidiatus sind bei mir seit 20 Jahren im Freiland zum Teil fast ohne Schutz, gedeihen und blühen.
Substrat
Darüber ist sicher schon genug geschrieben worden, fast jeder hat "Sein Substrat". Ich verwende seit 20 Jahren fast ausschliesslich Bihaloh der Fa. Ganter in Weingarten, das Substrat ist rein Mineralisch und besteht im Wesendlichen aus Lava-, Bims- und Vermeculitgestein. Die Wasserspeichernde und gleichzeitig hohe Durchlässigkeit des Substrates war für mich das Entscheidende. Selbstverständlich muss das giessverhalten auf das Substrat abgestimmt sein.
Pflanzgefässe
Die Wahl Ton- oder Plastiktopf richtet sich bei mir nach der Nässeempfindlichkeit der Pflanze. Empfindliche Sorten nehmen es im Tontopf nicht so schnell übel, wenn sie einmal zu viel gegossen werden. Die Tontöpfe geben überschüssiges Wasser über ihre Aussenwände schneller wieder ab. Die Kakteen ertrinken nicht so leicht. Allerdings erfordern Tontöpfe in der Wachstumszeit mehr Aufmerksamkeit, da die Kakteen es während dieser Zeit nicht besonders mögen, wenn sie ganz austrocknen, was bei grosser Hitze schnell passiert ist.
Normalerweise bevorzuge ich den Quadratischen Plastiktopf mit seinen unübersehbaren Vorteilen, platzsparend(auch bei der Lagerung), leichte Reinigung und in vielen Grössen kostengünstig verfügbar.

Giessen
Hier kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Kakteen haben von Natur aus eine ausgeprägte Ruhezeit, die in unsere lichtarme kühle Winterzeit fällt. Für die Kakteen heisst Ruhezeit eine wasserarme Zeit, in der sie möglichst nicht gegossen werden sollten. Meine Gewächshausheizung stelle ich so ein, dass die Pflanzen um 8° Celsius stehen und von November bis Mitte März, also etwa 4,5 Monate lang kein Wasser zu Gesicht bekommen. Diese wasserlose Zeit leite ich ab Oktober mit reduzierten Wassergaben langsam ein, und ab Ende März mit vorsichtigen Nebeln an warmen Frühlingstagen, bei einigen spätblühenden Arten beende ich auch schon mit einem kräftigen Schluck im März die Trockenzeit . Man gibt bei sonnigem Wetter direkte Wassergaben den Pflanzen, die bereits Knospen zeigen, ausserdem einigen Spät-blühern und allen Jungpflanzen. Von Mitte Mai bis September wollen die meisten Echinocereen gegossen werden. Bei den hochsukkulenten( Rübenwurzlern) Arten ist im Hoch-sommer eine Trockenruhe einzuhalten. So kann man das Giessen auch ruhig mal vergessen oder unbesorgt zwei, drei Wochen im Sommer in den Urlaub fahren. Einen Echinocereus bringt das nicht um. Bei meinem Substrat kann ich mich darauf verlassen, dass auch wenn das Substrat trocken aussieht immer noch in dem porösen Gestein reichlich Wasser für die genügsamen Pflanzen zur Verfügung steht. Es macht aber auch nichts, wenn das Substrat genügend durchlässig ist, wenn der nächste Guss etwas früher erfolgt. Ausnahmen bilden Kakteen mit Rübenwurzeln, die sollten Sie immer erst dann giessen, wenn die Erde völlig trocken ist. Im Herbst stellt man die Wasserzufuhr besser zeitiger ein, damit der Neutrieb gut ausreifen kann.
Wasser ist ein entscheidender Faktor, was viel zu oft vergessen wird. Aus den meisten Wasserkränen kommt Wasser mit viel zu hohem Ph-Wert, über 7,5 ist keine Seltenheit. So kann sich der PH-Wert des Pflanzsubstrates im Laufe der Jahre durch das Giessen mit kalkhaltigem Wasser nach oben bewegen. Abhilfe schafft dann nur noch umtopfen, wenn es nicht möglich ist an ein kalkarmes und PH neutrales Wasser heranzukommen. Ideal ist natürlich Regenwasser, in meiner ländlichen Umgebung ohne Industrie kann man das Regenwasser getrost auffangen, aber man sollte es auch erst ein bis zwei Stunden Landregen auffangen um die ersten Luftverschmutzungen nicht mit einzufangen. Eine andere Möglichkeit ist Quellwasser aus unserm Mittelgebirge, hat hervorragende Wasserwerte viele Spurenelemente, bedeutet nur Kanister schleppen.

Düngen
Gedüngt wird nur der Hauptwachstumszeit von Mai bis August, niemals in der Ruhezeit. Ich verwende den gemischten Dünger von Schwarz : Kakteen-Flüssigdünger grün 6 % N Gesamtstickstoff 12 % P2O5 wasserlösliches Phosphat 6 % K2O wasserlösliches Kaliumoxyd .Als Jahresabschlussdüngung gebe ich Kaliphosphat 34% K, 52% zur Förderung der Blütenbildung und der Festigung des Zellgewebes. Ausserdem verwende ich seit 3 Jahren `Baldrianblüten-Extrakt' und zwar nach den angaben von Michael Kiessling (Adresse siehe unten) 1. Behandlung mit dem ersten Wässern im Jahr, so etwa Anfang März, ich gebe 30 - 50 Tropfen in 10 Liter Wasser, und giesse damit alle Pflanzen. Die 2. Behandlung erfolgt in den Folgemonaten, sowie öfteres sprühen der Brühe über die Pflanzen.Ich halte beim Mischen des Düngers an die Packungsangaben, hier gilt lieber halbkonzentriert und doppelt so oft, als umgekehrt.

Mein Pflegekalender

 Januar
Winterruhe: Auf Schädlingsbefall kontrollieren , Pflanzenlisten durchsehen, eventuell weitere Aussaaten vornehmen.
Februar
Winterruhe: Auf Schädlingsbefall kontrollieren, wenn möglich lüften, weitere Aussaaten vornehmen.
März
Winterruhe: Auf Schädlingsbefall kontrollieren, umtopfen, nebeln, bei sehr warmen Wetter lüften nicht vergessen, Spätblüher einmal kräftig angiessen( danach aber das Substrat wieder total austrocknen lassen).
April
Gewächshausisolierung entfernen, angiessen, an die Sonne gewöhnen, viel
lüften ,umtopfen, E.davisii blüht schon
Mai
Die Pflanzen die den Sommer im Freien verbringen werden in das Sommerquartier geräumt, umtopfen, später düngen, die ersten Blüten fotografieren

Juni
normal giessen, düngen, in warmen Nächten bleibt das Gewächshaus schon offen, Blüten fotografieren
Juli
normal giessen, düngen, in den Nächten bleibt das Gewächshaus jetzt immer offen
(Tür und alle Fenster), Blüten fotografieren.
August
normal giessen, düngen, in den Nächten bleibt das Gewächshaus jetzt immer offen
(Tür und alle Fenster), Blüten fotografieren.
September
weniger giessen, Jahresabschlussdüngung vornehmen, bis Mitte des Monats bleibt in den Nächten das Gewächshaus jetzt immer noch offen, die Pflanzen sollen Abhärten. Gegen rote Spinne und Wurzeläuse vorbeugend ein Stärkungsmittel spritzen, z.B.ein Neemprodukt.
von den Spätblühern :bristolii, scoplorum, chisoensis, sandedroensis und papillosus, die Blüten fotografieren.
Oktober
Das Giessen so langsam ganz einstellen, die Freilandpflanzen wieder ins Gewächshaus räumen, noch viel lüften wenn das Wetter es zulässt. Die Gewächshausheizung überprüfen und Ende des Monats die Aussenisolierung anbringen.
November
Winterruhe: Auf Schädlingsbefall kontrollieren , für die Frühjahrsaussaat Kataloge bestellen oder im Internet nach Lieferanten suchen
Dezember
Winterruhe: Auf Schädlingsbefall kontrollieren , für die Fühjahrsaussaat Samen und Substrate bestellen ,Aussaat vorbereiten.
20. -31.12. ich nehme nach Möglichkeit jetzt meine Aussaat vor, der Neumond ist ein guter Zeitpunkt.

Meine Lieferanten

Substrat,Töpfe ,Düngemittel, Pflanzen. e.c.
Georg Schwarz, Kakteen- und Pflanzenzubehör, An der Bergleite 5 90455 Nürnberg http://www.kakteen-schwarz.de/

Samen, Pflanzen
Echinocereencenter Wolfgang Blum
http://blumw76467.bei.t-online.de/deutsch.htm

Kakteen Koehres
D-64387 Erzhausen
Fax: +49 6150 84168
E-Mail: koehres@t-online.de
http://www.koehres-kaktus.de/index1.htm

Dieter Felix, Oberthoelau 37, 95615 Marktredwitz
http://www.dfm-kakteen.de

Schöne Echinocereen und das "Echte Baldrianextrakt"
Michael Kiessling,
Kreuzstrasse 6,
D-83530 Schnaitsee,
Tel.: 08074/176988,
E-Mail: Michael.Kiessling@web.de,
Webseite:http://www.tephrowelt.de

 Aus Österreich

 Schöne Echionocereen und viele gute Tipps zur Pflege vom Fachman gibt es bei
Gerald Niess
Perndorf 108
A-8182 Puch bei Weiz
Email:office@kakteen-niess.at
www.kakteen-niess.com
www.kakteen-niess.at


 

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